Filmplakat 1916
Werbeplakat für den Film «Eine sehr exotische Schweiz: Das Lötschental» von Frederick Burlingham, 1916.
Plakat für den 1916 gedrehten Film «Unknown Switzerland – The Lötschenthal» des Amerikaners Frederick Burlingham. Der aus Baltimore stammende Burlingham liess sich mit seiner Firma während mehrerer Jahre in Montreux am Genfersee nieder. Von hier aus produzierte er zahlreiche Filme in der Schweiz und in Frankreich. Burlinghams Interesse galt dem Gebirge und dem Alpinismus. Das auf dem Plakat sichtbare Firmensignet «Burlingham Films» zeigt denn auch die Silhouette eines Alpinisten mit Pickel.
Das Plakat wurde vermutlich von der Filmverleihfirma William L. Sherry Service produziert und entstand wenige Jahre nach der Eröffnung des Lötschbergtunnels (1913), also zu einem Zeitpunkt, da ein breites Publikum das Lötschental bereits bequem mit dem Zug erreichen konnte. Trotzdem dürfte die Werbeabsicht kaum dem Lötschental als solchem gegolten haben. Vielmehr sollte das Motiv des Lötschentals als «unbekannte Schweiz» ein internationales Publikum für die Schweiz als Ferienland und die Alpen als exotische Welt gewinnen. Darauf verweist nicht nur das Bildmotiv, sondern auch der Text auf dem Plakat: «FOR MORE THAN ONE THOUSAND YEARS ROITSCHEGGSTEN, OR STRANGE SMOKE MEN, APPEAR EVERY HALLOW TIDE IN THE LÖTSCHENTHAL, WARNING AND FRIGHTENING BAD CHILDREN.»
Bild wie Text haben mit der ethnografischen Realität nicht viel gemein. Doch transportieren sie einen Diskurs des Authentischen und Urchigen, wie er für die Tschäggättä seit deren Entdeckung durch Ethnologen im späten 19. Jahrhundert gängig geworden ist und wie er sich über wechselnde Nutzer durch das ganze 20. Jahrhundert zieht. So erlebt etwa das alpine Brauchtum im Umfeld der Geistigen Landesverteidigung der Schweiz der 1930er und 40er Jahre eine starke Beachtung von aussen und insbesondere durch städtische Eliten. Als Inbegriff des Echten und Ursprünglichen werden dabei die markanten Holzmasken des Lötschentals zu Symbolträgern alpiner und damit schweizerischer Kultur. Aus einem lokalen Brauchrequisit wird so ein nationales Markenzeichen.


